Tipps zum Umgang mit Wespen und Hornissen

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Auf eines ist im Sommer Verlass: Zu Kuchen oder Eis im Freien gesellen sich schnell ungebetene Gäste. Wir geben Tipps für den richtigen Umgang mit Wespen, Hornissen und Co.

Kein Grund zur Panik


  • Genuss aus der Natur: Deutsche Wespe frisst an reifer Zwetschge – Foto: Helge May

  • Willkommene Nahrungsquelle: Gemeine Wespe nagt an Zuckerguss von Mohnkuchen – Foto: Helge May

Wer draußen Obstkuchen, Saft und Eis genießt, lockt mit den süßen Speisen ungebetene Gäste an. Der Ärger ist vorprogrammiert – einige schlagen nach Wespen und Hornissen. Allerdings fliegen nur zwei der in Deutschland heimischen sozialen Wespenarten auf Cola, Steak und Kuchen: Die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe haben den Wespen insgesamt einen schlechten Ruf eingebrockt.

Dabei können Wespen, Hornissen und Menschen friedliche Nachbarn werden. Wir haben einige Tipps für den Umgang mit den Hautflüglern zusammengestellt.


NABU-Tipps zum friedlichen Miteinander

  • Nur zwei der heimischen Wespenarten stehen auf Süßspeisen und Fleisch oder Wurst, nämlich die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Es ist sinnvoll, Nahrungsmittel im Freien abzudecken und Reste wegzuräumen.
  • Auch eine Ablenkungsfütterung kann funktionieren. Man kann beispielsweise eine Schale mit etwas Marmelade oder aufgeschnittenen und sehr reifen Weintrauben etwa fünf bis zehn Meter vom eigenen Essen hinstellen, das lockt die Wespen an und sie bleiben – hoffentlich – dort.
  • Beim Grillen kann man mit einem Stück Wurst die Wespen ablenken. Vor allem im Hochsommer sind sie nämlich an Proteinen interessiert, um ihre Larven zu versorgen.
  • Mit einer Sprühflasche die Wespen behutsam mit Wasser bespritzen. Die Insekten denken dann, es regnet, und fliegen weg.
  • Einige Gerüche können dabei helfen, Wespen von unserem Essen fernzuhalten. Ätherische Öle – wie ein mit Nelkenöl beträufeltes Taschentuch – haben sich oftmals als gute Hilfsmittel erwiesen. Auch Räucherstäbchen, vor allem solche, die nach Zitrone oder Lavendel riechen, können helfen.
  • Nach dem Essen sollte bei Kindern der Mund und die Hände abgewischt werden, um Wespen nicht anzulocken.
  • Wespen können von Gerüchen wie Parfüm, Cremes, Holzmöbelpolitur oder ähnlichen Düften angezogen werden. Außerdem fliegen Sie gerne auf bunte Kleidung.


Was wir nicht empfehlen beziehungsweise was sogar verboten ist

  • Am Kaffeetisch und beim Grillen: Wespen stechen, sobald sie sich bedroht fühlen. Vermeiden Sie deshalb heftige Bewegungen.
  • Auch das Wegpusten der Tiere ist nicht ratsam: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal.
  • Vom Kauf von mit süßem Saft oder Bier gefüllten Wespenfallen raten wir ganz ab. Die Tiere sterben in der Flüssigkeit einen qualvollen Tod und die Fallen töten viele andere Insekten. Der unspezifische Insektenfang im Freien ist durch das Bundesnaturschutzgesetz verboten.

Was tun bei einem Stich?

  • Sobald man doch einmal gestochen wurde, hilft es, eine halbierte Zwiebel auf den Stich zu drücken. Durch die ätherischen Öle und Verdunstungskälte wird der Schmerz und die Schwellung gelindert. Noch besser sind batteriebetriebene Stichheiler geeignet, die das Insektengift denaturieren und so Schwellungen und Juckreiz minimieren. Bei diesen Geräten ist es wichtig, sie mehrfach und unmittelbar nach dem Stichereignis anzuwenden. Anschließende Kühlung wirkt schmerzlindernd.
  • Beim Stich können von Wespen Alarmpheromon freigesetzt werden (vor allem in der Nähe des Nestes), welches weitere Stiche provozieren kann. Deshalb sollte man den unmittelbaren Ort, an dem der Stich erfolgte, schnell verlassen.
  • Ziehen Sie sich auch bei einem Stichereignis in unmittelbarer Nähe eines Nestes sofort zurück.

Warum kommen uns Wespen im (Spät)-sommer so nahe und wirken aggressiv?

Es ist wichtig zu verstehen, dass Wespen, wenn sie nicht gerade an ihrem Nest sind, eigentlich nicht „aggressiv“ sind, sondern einfach nur nach Nahrung suchen. Dabei werden sie für uns aufdringlich, und wenn wir nach ihnen schlagen, oder sie sich gefangen fühlen, verteidigen sie sich mit einem Stich.

Im Spätsommer und Herbst sterben die Wespenvölker nach und nach ab, nur die Jungköniginnen überleben. Die Arbeiterinnen haben dann immer weniger bis keine Brut mehr zu versorgen und suchen verstärkt nach zucker- und eiweißhaltiger Nahrung – genau das, was wir auf Tellern und Gläsern haben. Deshalb wirken sie in dieser Zeit besonders aufdringlich.

Wozu sind Wespen überhaupt nützlich?

  • Wespen sind ein Teil unserer Natur und durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt.
  • Sie erfüllen in der Natur wichtige Funktionen, da sie tote Insekten verwerten und Fallobst nutzen. Sie jagen Fliegen, Mücken, Blattläuse, Raupen sowie weitere Insekten und halten sie damit in Schach.
  • Außerdem dienen sie selbst als Futter, beispielsweise für Vögel.
  • Wespen bestäuben, gemeinsam mit vielen anderen Insekten, Pflanzen. Sie spielen daher eine wichtige Rolle für die Landwirtschaft.

Was tun bei Wespen und Hornissen im und am Haus?

  • Um Wespen, Bienen und andere Insekten aus dem Haus zu halten, empfiehlt es sich, Fliegengaze an Fenstern und Türen anzubringen, insbesondere an Küchen-, Bad- und Kinderzimmerfenstern.
  • Haben sich trotz aller Vorkehrungen Wespen ins Haus oder in die Wohnung verirrt, stülpen Sie ein Glas über das Insekt, schieben vorsichtig ein Stück Papier als Boden unter um das Tier wieder nach draußen zu bringen.
  • Als einzige Wespenart fliegen Hornissen auch bei Nacht – dementsprechend können sie sich dann an Partybeleuchtungen, erleuchteten Fenstern oder Hauseingangsbeleuchtungen sammeln. Hier sollte man die Gelegenheit beim Schopfe packen, unnötige Lichtverschmutzung zu beenden oder zumindest zu begrenzen: Haus- und Wegbeleuchtungen sollten mit Bewegungsmeldern versehen sein, um wirklich nur bei Bedarf zur Verfügung zu stehen. Dauerhafte Beleuchtungen sollten möglichst schwach ausfallen. Unnötig sind Lichtquellen, die ihr Licht ungerichtet abstrahlen. Am besten aber ist es, Lichtquellen wann immer möglich abzuschalten oder erst in Betrieb zu nehmen, wenn das Fenster geschlossen ist – das gilt auch für den Fernseher.

Was tun bei einem Wespennest am Haus?

  • Zu allererst sollte man sich überlegen, ob man das Nest dort nicht auch einfach dulden kann. Wespen sind Nützlinge im Garten und bei Hornissennestern gibt es den Vorteil, dass diese mit genügend Abstand sehr friedlich sind und man dann in der Umgebung weniger Wespen hat (denn Hornissen fangen Wespen).
  • Gemeine und Deutsche Wespe stehen unter allgemeinem Schutz, das heißt, dass ihre Nester nur mit triftigem Grund entfernt werden dürfen. Bei Verstößen drohen hohe Geldbußen.
  • Die meisten Wespenarten sind kurzzyklisch und ab Ende August wieder verschwunden. Die Nester, die dann noch aktiv sind und wachsen, sind Nester der Deutschen oder der Gemeinen Wespe und auch diese sterben im September oder Oktober ab.
  • Da die allermeisten Wespen (und auch Hornissen) ihre Nester nur eine Saison lang nutzen, dürfen Nester entfernt werden, wenn diese nicht mehr bewohnt sind, in der Regel ab Oktober. Zum Winter hin gibt es ja einen Zeitpunkt, ab dem alle Insekten des Volkes abgestorben sind. Da es nicht wieder bezogen wird, ist dann quasi egal, was mit den Nestern passiert. Die Rückzugsorte und Fortpflanzungsstätten von Tieren, wozu dann bei den Wespen und Hornissen die Nester gehören, sind nur solange geschützt, wie sie auch aktiv genutzt werden. Tipp: Manchmal hilft es, die Nester da zu lassen, weil dann direkt daneben meist kein zweites Nest gebaut wird.
  • Wespennester dürfen laut Gesetz entfernt werden, wenn ein „vernünftiger Grund” vorliegt, beispielsweise bei Allergien oder wenn sich Kinder oder Tiere in der Nähe befinden. Eine Genehmigung ist nicht zwingend notwendig, wenn es um die herkömmlichen Wespen geht. Im Zweifel muss dies durch die Untere Naturschutzbehöre geprüft werden.
  • Die Ausnahme stellen Feldwespen dar, die wohl hier und da auch alte Nester nochmal nutzen können. In der Regel bauen die neuen Königinnen aber auch im folgenden Jahr eigene neue Nester, wie es bei den anderen Wespen-Arten auch passiert.
  • Wespennester am Haus dürfen nicht einfach eingeschlossen werden, da sich die Tiere dann einen anderen Ausgang suchen und so ins Haus gelangen können. Am verschlossenen Einflugloch müssen Sie dann mit aggressiven Wespen rechnen.
  • Bleibt man auf einer Distanz von rund zwei Metern zum Nest, sodass keine Erschütterungen des Nestes verursacht werden können, und versperrt die Flugbahn der Wespen nicht, fühlen sie sich nicht bedroht.
  • Wespen können alternde Holzverschalungen oder Holzverkleidungen leicht beschädigen, da sie das Holz als Grundstoff zum Bau ihrer Nester verwenden. Wenn Sie sicher gehen möchten, dass Ihre Holzverkleidungen intakt bleiben, sollten Sie diese mit umweltfreundlichen Lacken und Farben regelmäßig pflegen.
  • Falls sich Wespen an ungünstiger Stelle angesiedelt haben, wenden Sie sich an Fachkundige vor Ort für eine Beratung. Manchmal gibt es sogar die Möglichkeit, ein problematisches Nest schonend umsiedeln zu lassen, anstatt es gleich dem Schädlingsbekämpfer zu überlassen. Falls eine Abtötung unumgänglich ist, wenden Sie sich an ökologisch arbeitende Schädlingsbekämpfer, die sich zum Beispiel am Berufsverbandsiegel des vFöS (Verein zur Förderung der ökologischen Schädlingsbekämpfung) erkennen lassen. Lassen Sie sich immer erklären und zeigen, welche Mittel der Schädlingsbekämpfer einsetzen will. Insbesondere bei der Abtötung von Wespennestern in Rollladenkästen kann es zu einer unnötigen Raumluftkontamination kommen, wenn ungeeignete Mittel eingesetzt werden.
  • Übrigens besteht kein grundsätzlicher Anspruch des Nachbarns auf Entfernung des Nestes. Man haftet also nicht für das Nest und seine Folgen, es sei denn, man hat es gezielt und bewusst dort angesiedelt.
  • Wespennester in Rollladenkästen oder unter Dachziegeln sind häufig Nester von Kurzkopfwespen, also der Gemeinen oder Deutschen Wespe. Diese können, müssen aber nicht Schäden an der Bausubstanz anrichten. Achten Sie auf das Austragen von Material, wie Dämmung beispielsweise. Ein knabberndes Geräusch ist dahingegen kein Hinweis auf Nagetätigkeit: Wie bei Hornissen betteln die Larven mit Kratzgeräuschen an den Zellwänden; zudem klingen die Laufgeräusche der Tiere auf den Waben wie Nagen. Allerdings kann es besonders im Herbst dazu kommen, dass die Wespen die Wärme suchen und in Innenräume kommen.

Was tun bei einem Hornissennest am Haus?

  • Hornissen machen in der Regel keine unmittelbaren Bauschäden durch Benagen. Allerdings koten sie unterhalb des Nestes flüssig ab, dies kann Schäden am Bauwerk, wie Verfärbung oder Gerüche verursachen. Sofern möglich, bietet sich das Unterstellen eines Eimers oder Wanne mit Katzenstreu an – zumindest sollte man unter dem Nest Befindliches entfernen oder abdecken.
  • Hornissen genießen durch die Bundesartenschutzverordnung besonderen Schutz. Werden Nester ohne Genehmigung zerstört oder umgesiedelt, kann es zu hohen Geldbußen kommen. Ist die Umsiedlung oder Beseitigung eines Hornissennestes notwendig, beantragen Sie die erforderliche Ausnahmegenehmigung bitte bei Ihrer Stadt oder Gemeinde. Dabei lassen Sie sich bitte von der genehmigenden Behörde qualifizierte Personen benennen, die solche Maßnahmen durchführen können.
  • Da die Asiatische Hornisse nicht durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt ist, muss die Entfernung ihrer Nester nicht beantragt werden. Sie sollte jedoch unbedingt von Profis gemacht werden, da die Nester groß sind und die Hornissen ihr Nest stark verteidigen.

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