Die Asiatische Hornisse breitet sich in Deutschland weiter aus

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Die aus Südostasien stammende Vespa velutina breitet sich in Europa beständig aus. Im Westen Deutschlands ist die Art etabliert und erweitert ihr Verbreitungsgebiet stetig weiter.

Globalisierung und Klimawandel begünstigen die eingeschleppte Art


  • Asiatische Hornisse frisst an Weintrauben – Foto: Jörg Tilmans/NABU-naturgucker.de

  • Appetit auf Süßes: Asiatische Hornissen an Fallobst – Foto: Gerd Barth/NABU-naturgucker.de

  • Asiatische Hornisse an Mahonie – Foto: Gerhard Turznik/www.naturgucker.de

  • Asiatische Hornisse – Foto: Bodo Stephan/www.naturgucker.de

  • Asiatische Hornisse mit Beute – Foto: Ulrich vor dem Esche/NABU-naturgucker.de

Entwarnung: Asiatische Hornisse ist nicht gleich Asiatische Riesenhornisse

Bei der hier beschriebenen, nach Europa eingeschleppten Hornisse Vespa velutina handelt es nicht um die Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die seit 2020 in den USA als „Honigbienenkillerin“ und gelegentlich (bei allergischen Reaktionen) auch für den Menschen gefährliche Art Schlagzeilen macht. Die Riesenhornisse Vespa mandarinia kommt in Deutschland nicht vor, auch in keinem anderen europäischen Land. Dass die Riesenhornisse 2025 in die EU-Liste der invasiven Arten aufgenommen wurde, ist eine reine Vorsorgemaßnahme. Die EU-Staaten sollen sich für den Fall der Fälle vorbereiten, um eine mögliche Ansiedlung frühzeitig bekämpfen zu können.

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) gehört wie die Europäische Hornisse (Vespa crabro), die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) oder die Deutsche Wespe (Vespula germanica) zu der Unterfamilie der „Echten Wespen“ (Vespinae). Vespa velutina ist etwas kleiner als die Europäische Hornisse, und an dem dunkleren Körper und gelben Füßen von der rotbraun und gelben heimischen Art leicht zu unterscheiden. Die Staaten der Asiatischen Hornisse sind mit bis zu 2.000 Tieren viel individuenreicher als die der heimischen Hornisse mit bis zu 700 Individuen.

Vespa velutina baut ihre Gründungsnester in ähnlichen Orten wie heimische soziale Wespen, zum Beipsiel in Schuppen oder Rollladenkästen. Der Staat zieht jedoch im Hochsommer um und baut sein sogenanntes Sekundärnest weit oben in Baumwipfeln. Oft werden diese Nester erst bemerkt, wenn die Bäume im Herbst kahler werden. Nach besonders warmen Wintern kann es sogar vorkommen, dass nicht nur die Jungköniginnen, sondern der Staat mit den Arbeiterinnen den Winter überlebt. Bei heimischen Wespen ist dies nicht der Fall ist.



  • Asiatische Hornisse im Flug, mit typisch hochgestellten Hinterbeinen – Foto: Ulrich vor dem Esche/www.naturgucker.de

  • Asiatische Hornisse an Dahlie – Foto: Andreas Wagner/www.naturgucker.de

  • Asiatische Hornisse beim Nestbau – Foto: Francis Ithurburu (CC BY-SA 3.0)

  • Sekundärnest der Asiatische Hornisse in Baumkrone – Foto: Michael Lutz/NABU-naturgucker.de

Vespa velutina als invasive Art

Die Hornisse stammt aus Südostasien. Sie wurde über Warentransporte 2004 nach Frankreich verschleppt und breitet sich seitdem in Europa aus. Die Einwanderung ist in Europa mittlerweile unumkehrbar. Die EU hat Vespa velutina im Jahr 2018 auf die Unionsliste der invasiven Arten gesetzt. Jedes Mitgliedsland muss daher Maßnahmen zur Bekämpfung der Art umsetzen. Die Maßnahmen variieren je nach Grad der Etablierung der Art. Eine invasive Art wird definiert als gebietsfremde Art mit besonderer Fähigkeit sich auszubreiten und einem negativen Einfluss auf die heimische Biodiversität. Längst nicht jede gebietsfremde Art ist also auch invasiv. Als soziale Art mit großen Staaten, ist die Asiatische Hornisse jedoch stark invasiv. So ist zum Beipsiel auch die in Europa heimische Deutsche Wespe in den USA und Neuseeland stark invasiv.

Als Proteinquelle für ihre Nachkommen jagen alle Wespen andere Insekten oder Spinnen. Vespa velutina fängt, wie die Europäische Hornisse auch, viele Honigbienen, da diese sehr häufig sind, aber auch andere soziale Wespen, Fliegen, Wildbienen und weitere Insekten. Durch ihre hohe Individuenzahl stellt sie daher eine Gefahr für die heimischen Insektenarten und die Imkerei dar. Außerdem wurden in Frankreich und Spanien bereits Ernteverluste durch das Anknabbern von Früchten (vor allem Weintrauben) verzeichnet.

Die Asiatische Hornisse ist nicht aggressiver als die Europäische Hornisse. Sie greift Menschen auch nicht an, solange man sich dem Nest nicht zu sehr nähert. Vereinzelt gibt es jedoch Meldungen zu allergischen Reaktionen auf die Stiche.


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Die Lage in Deutschland

Der erste Nachweis einer Asiatischen Hornisse erfolgte 2014 in Waghäusel (nördlich von Karlsruhe). In Baden-Württemberg, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen ist sie bereits stark verbreitet. Die Klimakrise mit ihren milderen Wintern begünstigt die Ausbreitung. Die Hornisse breitet sich laut Studien mit einer Geschwindigkeit von knapp 80 Kilometern pro Jahr aus, doch vor allem Verschleppungen etwa durch Transportwege können die Ausbreitungszeit stark verkürzen. So wurden schon Einzelfunde in Hamburg, Bremen und Berlin gemeldet. Zunächst konnte die weitere Ausbreitung dort aber verhindert werden.

Bisher besiedelt die Asiatische Hornisse erst rund ein Drittel des Bundesgebietes. Dennoch ist sie seit März 2025 offiziell eine etablierte Art. Das ist deswegen von praktischer Bedeutung, weil nun für Vespa velutina in Deutschland nicht mehr die gesetzlichen Vorgaben zur Früherkennung und Verhinderung der Ausbreitung gelten (Artikel 16 der EU-Verordnung zu invasiven Arten). Stattdessen greifen Maßnahmen zum Management einer etablierten Art (Artikel 19). Der größte Unterschied: Die Bekämpfungspflicht der Naturschutzbehörden fällt weg. Andererseits können die Kosten jetzt über den Naturschutz hinaus auf verschiedene Töpfe aufgeteilt werden.



Trotz der weiten Verbreitung der Art im Westen Deutschlands ist die Asiatische Hornisse in vielen anderen Bundesländern längst noch nicht etabliert. Hier kann eine Ausbreitung zumindest verlangsamt werden, um Zeit zu gewinnen und somit effektivere Bekämpfungsmethoden zu entwickeln. Der NABU appelliert an die Naturschutzbehörden in Bayern, Thüringen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Berlin, die Maßnahmen zur Eindämmung konsequent umzusetzen. Denn eine Etablierung der Asiatischen Hornisse kommt mit weiteren Kosten (Ernteausfälle, Imkerei, Gesundheitssektor) einher. Die von der Regierung vorgegebenen Maßnahmen greifen allerdings zu kurz und sind teils kontraproduktiv. Vor allem eine Erlaubnis zum Aufstellen von Fallen für Jungköniginnen kann dazu führen, dass viele heimische Hornissen- und Wespenjungköniginnen mit vernichtet werden, da eine spezifische Falle für Vespa velutina nicht existiert.


Achtung!

Aufgrund mangelnden Wissens über die Asiatische Hornisse gerät auch die heimische, besonders geschützte Europäische Hornisse zunehmend in Gefahr. Viele Bürger*innen können die beiden Arten nicht auseinanderhalten und töten die Tiere – befeuert von medial geschürter Panik.

Was tun, wenn eine Asiatische Hornisse gefunden wurde?

Schritt 1: Sicherstellen, dass es sich wirklich um eine Asiatische Hornisse handelt.

Schritt 2: Fund melden über die Meldeplattform des jeweiligen Bundeslandes und über die Meldeaktion Hornissen des NABU in Zusammenarbeit mit NABU|naturgucker. Zur leichteren Bestimmung enthält die Aktionsseite zahlreiche Bilder, auch von Verwechslungsarten wie Europäische Hornisse, Wespen und Wespenschwebfliegen.

Schritt 3: Das Nest, wenn möglich, professionell entfernen lassen. Als invasive Art ist die Asiatische Hornisse vom allgemeinen Schutz wildlebender Tiere (§39 Bundesnaturschutzgesetz) ausgeschlossen. Der NABU rät aber dringend davon ab, sich selbst an einer Nestentfernung zu versuchen. Die Nester sind sehr groß, meist in Baumkronen und wenn man sich den Nestern auf zwei Meter oder weniger nähert, reagieren die Hornissen meist aggressiv. Hier sollten unbedingt Expert*innen herangezogen werden. Meist können Kontakte über die Unteren Naturschutzbehörden, örtliche NABU-Gruppen oder Imkervereine erfragt werden.

Offizielle Meldestellen der Bundesländer

Soweit vorhanden, sollte zur Identifikation unbedingt ein Bild des beobachteten Insekts mitgeschickt werden. Vor allem außerhalb des Hauptverbreitungsgebietes ist die Gefahr einer Verwechslung sehr hoch.

Weitere Informationen:
Dr. Stephan Härtel
Sprecher der NABU-Bundesarbeitsgemeinschaft Hymenopteren
E-Mail SHaertel@NABU-Berlin.de, mobil +49-178-9319710


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