Imposanter Greifvogel brütet im Südwesten

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Es war 2023 eine Sensation: Nach 116 Jahren hatte der Fischadler erstmals wieder in Baden-Württemberg gebrütet. Viele Jahre arbeitete der NABU auf eine Wiederansiedlung hin. 2023, 2024 und 2026 zogen …

Fischadlerschutz-Projekt des NABU-Vogelschutzzentrums


Einst im Süden als Brutvogel komplett ausgerottet, fand man den Fischadler lange Zeit in Deutschland nur noch in Brandenburg und Mecklenburg und seit 1992 wieder in Bayern. Seit 1990 arbeitet der NABU auch in Baden-Württemberg an einem Langzeit-Forschungs- und Artenschutzprojekt für die Rückkehr des Fischadlers ins Ländle.


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Im Jahr 2021 brachte Daniel Schmidt-Rothmund, der Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen, im Rahmen eines Interreg-Projekts gemeinsam mit der Schwesterorganisation LPO (Liga für Vogelschutz) Elsass in der Rheinebene mehrere Nistkörbe für Fischadler an. Auf einer Kiefer bei Rastatt kam es auf einem der Körbe noch im selben Sommer zu ersten Besuchen zweier Fischadler. Die Hoffnung: Hier könnten bald wieder Fischadler brüten. Im Sommer 2022 wiederholten sich die Ereignisse und es kam zu weiteren Besuchen zweier Fischadler. Sensationelle Fotos von der angebrachten Wildkamera zeigten, dass es sich um ein beringtes Männchen aus Sachsen-Anhalt handelte und um ein ebenfalls beringtes aber noch nicht identifizierbares Weibchen. Und dann kam es 2023 schon zu Beginn der Brutzeit, Anfang April zu ersten Fotos zweier Fischadler und mit einem ersten Ei im Nest am 15.04.2023. Das ist die erste nachweisliche Brut von Fischadlern in Baden-Württemberg seit 1907. Im Juni war klar, dass die Brut erfolgreich war: Das Paar hat Nachwuchs. Bis zur Beringung blieb die Spannung groß, wie viele Jungvögel sich im Horst befinden. Ende Juni war dann die Freude groß: Balbü und Kju sind die ersten nachweislich in Baden-Württemberg geschlüpften Fischadler seit 1907. Auch 2024 haben die Fischadler wieder gebrütet und drei Jungtiere großgezogen. Sie heißen Fuchur, Artax und Luna. Während die Brut 2025 leider nicht erfolgreich war, freuen wir uns über den Nachwuchs von 2026: Die Jungtiere heißen Luke und Leia.

Ermöglicht wurde das Projekt durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der LPO Alsace, durch ein Interreg-Projekt des NABU-Südbaden und die Kooperation mit dem NABU Bezirksverband Mittlerer Oberrhein. Finanzielle Unterstützung erhielt der NABU von vielen Spenderinnen und Spendern, seitens der „Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe” und der Schweizer Stiftung PRO PANDION.

Hintergrund:

  • Beringung: In ganz Deutschland wird der Fischadlernachwuchs beobachtet und beringt. Ziel ist es, ein umfassendes Bild von Population und Bestandsentwicklung zu gewinnen. Der eine Ring trägt eine kleine individuelle Nummer, wie im Personalausweis, der andere einen großen alphanumerischen Code, ähnlich einem Autokennzeichen, den man auch aus der Entfernung erkennen kann. Die Ringnummern sind in einer Datenbank hinterlegt. Mit ihnen lassen sich die Fischadler eindeutig identifizieren. Mittels Spektiv oder Teleobjektiv kann man die Codes aus bis zu 250 Metern Entfernung ablesen. Eindeutige Ringablesungen können unter www.ring.ac oder bei der Beringungszentrale Hiddensee gemeldet werden: https://ringmeldung.34u.de Die gemeldeten Beobachtungen liefern wichtige Informationen über Überlebensrate, Wanderwege oder die Erschließung neuer Lebensräume. Letztlich dienen die Forschungsergebnisse einem besseren Schutz der Adler.
  • Ausrottung: Noch im 19. Jahrhundert war der Fischadler in Baden-Württemberg entlang von Donau, Rhein, Neckar sowie an Kocher und Jagst beheimatet. Bekannt ist dies vor allem, weil aus dem 19. Jahrhundert Jagdstatistiken mit langen Abschusslisten vorliegen. Auch Eiersammlungen in Museen belegen das. Als vermeintlicher Nahrungskonkurrent des Menschen wurde der Greifvogel erbarmungslos abgeschossen, seine Gelege wurden geplündert und man fällte Horstbäume, bis zur Ausrottung 1907 im Südwesten.
  • NABU-Engagement: Für Daniel Schmidt-Rothmund ist die Wiederansiedlung der Fischadler im Südwesten ein Herzensthema und Lebenswerk, das viel Zeit, Energie, Geduld und nicht zuletzt Geld erfordert. Er hat im Land mehr als 30 Plattformen auf hohen Bäumen installiert, Nistmaterial hochgeschafft und die Standorte regelmäßig besucht. Das ist möglich dank eines großen Netzes aus Ehrenamtlichen, vogelbegeisterten Spenderinnen und Spendern sowie der Bereitschaft von Forst BW, Gemeinden und Privatwaldbesitzenden, ihre Flächen zur Verfügung zu stellen.
  • Artenschutz: Seit mehr als dreißig Jahren installiert der NABU in Baden-Württemberg Nisthilfen für den imposanten Greifvogel in dessen alter Heimat an Rhein, Donau und Bodensee. Kunsthorste gibt es in mehreren Landesteilen. Im Zuge eines Projekts gemeinsam mit der französischen Partnerorganisation LPO (Liga für Vogelschutz) am Oberrhein kamen zehn Nisthilfen beidseits des Rheins zwischen Basel und Karlsruhe hinzu.

Mehr erfahren:
Mehr zum Schutzprojekt auf der Webseite des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen


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Der Fischadler

Informationen zu dem imposanten Greifvogel

Der Fischadler (Pandion haliaetus) wurde in Westeuropa vorübergehend komplett ausgerottet, da er als vermeintlicher Nahrungskonkurrent galt. Die Vögel wurden abgeschossen, die Gelege geplündert und die Horstbäume gefällt. Zuvor waren die Vögel in ganz Mitteleuropa als Brutvögel an Seen und Flüssen weit verbreitet. Heute steht der Adler als besonders geschützte Art im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinien. In Deutschland konzentriert sich das Vorkommen des Vogels heutzutage auf die Brandenburgischen und Mecklenburgischen Seen.

Die Vögel brauchen vor allem eines – fischreiche Gewässer. Denn wie der Name schon sagt, ernährt sich der Fischadler hauptsächlich von lebend gefangenen Fischen. Als Lebensräume bieten sich somit Küstenregionen, Binnenseen, Teiche, Flüsse und Kanäle an. Weitere Ansprüche an Klima oder Höhenlage sind nicht bekannt.


Die etwa 55-60 cm großen Adler haben eine Spannweite von 1,50-1,70 Meter, die Weibchen sind dabei größer als die Männchen. Das Gefieder ist sehr kontrastreich gefärbt, die Oberseite des Vogels ist dunkelbraun, Rumpf und Unterseite dagegen weiß. Ein bräunliches Querband verläuft über der Brust und ein markanter dunkler Augenstreifen sowie diffuse Flecken zieren den Kopf. Die Augen des Adlers sind leuchtend gelb, bei Jungvögeln ist die Iris orange.

Fischadler werden mit drei Jahren geschlechtsreif und brüten dann als Paare. Sie bevorzugen freistehende Nistgelegenheiten – zum Beispiel alte, hohe Bäume mit starken Kronen, auf denen sie ihren Horst errichten können und einen guten Überblick über die Umgebung haben. Meistens legen sie zwischen zwei und drei Eier ab, die dann 38-41 Tage bebrütet werden. Im Spätsommer verlassen sie ihr Brutgebiet und fliegen Richtung Süden, meist nach Afrika, denn die Adler zählen zu den Zugvögeln.

Der Fischadler gilt zurzeit in Europa nicht mehr als gefährdet. Bedroht werden die Populationen hauptsächlich durch intensive Forstwirtschaft, Umweltgifte und Tourismus, da es bei Störungen zur Aufgabe der Brut kommen kann.