Tote Grünfinken durch Trichomonaden

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Beim NABU gehen im Sommer regelmäßig Meldungen zu erkrankten oder toten Grünfinken ein. Dafür verantwortlich ist der Erreger „Trichomonas gallinae“. Vogelfreunde können die Ausbreitung der Krankheit d…

Sommerhitze fördert Verbreitung des Erregers

Beim NABU gehen im Sommer regelmäßig Meldungen zu erkrankten oder toten Grünfinken ein. In allen Fällen wird von apathisch wirkenden oder bereits verendeten Grünfinken, in seltenen Fällen auch von anderen Arten, stets in der Nähe von Futterstellen berichtet.

Es ist davon auszugehen, dass die gemeldeten Grünfinken mit dem einzelligen Erreger Trichomonas gallinae infiziert sind. Genaue Zahlen zu den jährlich schwankenden Fallzahlen gibt es nicht. Nach NABU-Schätzungen sterben aber jeweils 80.000 und mehr Grünfinken an der Infektion, die im Sommer 2009 erstmals in größeren Teilen Deutschlands beobachtet wurde.


Futter- und insbesondere Wasserstellen als Ansteckungsherde

Seitdem trat die Krankheit in jedem Jahr wieder auf, sobald anhaltend sommerliche Temperaturen herrschen. Futter- und insbesondere Wasserstellen für Vögel sind gerade im Sommer ideale Ansteckungsherde, so dass ein kranker Vogel schnell andere Vögel infizieren kann. Als Trichomonaden-Infektionsquelle kommt neben dem direkten Kontakt der Tiere untereinander vor allem Trinkwasser an Futterstellen in Frage, in dem der Erreger bei sommerlich warmen Temperaturen bis zu 24 Stunden überleben kann.


Krankheitsfälle melden und Maßnahmen ergreifen

Um die weitere Verbreitung von Trichomonas gallinae zu unterbinden, rät der NABU dringend, das Füttern sofort bis zum nächsten Winter einzustellen, sobald mehr als ein kranker oder toter Vogel an einer Sommerfutterstelle beobachtet werden. Ebenso sollten unbedingt alle Vogeltränken entfernt werden. Selbst die tägliche Reinigung von Futterstellen und Wasserstellen reicht nicht aus, um die Vögel vor Ansteckung zu schützen, sobald kranke Artgenossen in der Nähe sind.


Mit dem Trichomonaden-Erreger infizierte Tiere zeigen folgende Merkmale: Schaumiger Speichel, der die Nahrungsaufnahme hemmt, großer Durst, scheinbare Furchtlosigkeit. Eine Medikamentengabe ist nicht möglich, da Wirkstoffe bei freilebenden Tieren nicht dosiert werden können. Die Infektion verläuft immer tödlich. Nach Angaben von Veterinären besteht für den Menschen, Hunde und Katzen keine Gefahr einer Infektion. Aus bisher unbekannten Gründen scheinen auch die meisten anderen Vogelarten wesentlich weniger empfindlich auf den Erreger zu reagieren als Grünfinken.


Potentielle Bedrohung für den Grünfinken-Bestand

Nach den Ergebnissen der großen NABU-Gartenvogelzählung, der „Stunde der Gartenvögel“, nehmen die Bestände des Grünfinken seit 2013 bundesweit stark ab. Dies bestätigen auch die Zahlen des Monitorings häufiger Brutvogelarten (MhB) des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA). Ein Zusammenhang mit dem vermehrten Auftreten von Grünfinkensterben aufgrund von Trichomonaden-Infektionen liegt auf der Hand, ist jedoch noch nicht nachgewiesen.


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