Zugvögel weltweit unter Druck

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45 Prozent der Zugvogelarten sind im Rückgang, jede neunte Art ist bereits vom Aussterben bedroht. Der neue BirdLife-Report „State of the World’s Birds“ zeigt, warum Zugvögel weltweit unter Druck steh…

BirdLife-Vogelreport zeigt Ursachen und Gegenmaßnahmen

September 2026 – Der alle vier Jahre erscheinende Bericht „State of the World’s Birds“ des NABU-Dachverbands BirdLife International beschreibt die weltweite Lage der Vogelwelt. Die aktuelle Ausgabe wurde in Nairobi vorgestellt. Die Ergebnisse des Berichts sind alarmierend: Die Bestände von 45 Prozent aller Zugvogelarten gehen zurück, jede neunte Art ist vom Aussterben bedroht. „Die Lage ist besorgniserregend, aber es gibt Hoffnung“, betont NABU-Expertin für Zugvogelschutz Vera Brust. Denn die Gefährdungsursachen seien in vielen Fällen bekannt. Das erleichtere die Entwicklung geeigneter Schutzmaßnahmen.


Deutschland ist Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet

Die meisten großen Vogelzugkorridore verlaufen in Nord-Süd-Richtung. Deutschland ist sowohl Ausgangspunkt des herbstlichen Vogelzugs nach Süden als auch Transitland und Überwinterungsgebiet für Vögel, die den Sommer in nördlicheren Regionen verbringen. Arten wie Mauersegler, Nachtigall und Kuckuck überwinden auf ihren Zugwegen Ländergrenzen und Kontinente. Ihr Schutz muss deshalb grenzüberschreitend ansetzen: in den Brutgebieten, entlang der Zugwege, an den Rastplätzen und in den Winterquartieren.

Auch zahlenmäßig spielen Zugvögel in Deutschland eine große Rolle: Von den 304 Vogelarten, die hier brüten, sind etwa die Hälfte Zugvögel. Hinzu kommen rund 300 Vogelarten, die in Deutschland rasten oder überwintern. Die deutschen Brutvögel erreichen eine Zahl von 150 bis 200 Millionen Individuen, ohne Nachwuchs. Die Rast- und Wintergäste werden auf rund 500 Millionen Vögel geschätzt.



  • Die Mehlschwalbe zieht im Herbst in ihr Winterquartier, sie ist ein Kandidat für den „Vogel des Jahres 2027“ – Foto: Mathias Schäf

  • Auch der Kranich ist ein Zugvogel und ist Kandidat zur Wahl. – Foto: Frank Derer

  • Der Trauerschnäpper ist ebenfalls Kandidat und Zugvogel zugleich. – Foto: Josef Alexander Wirth/www.naturgucker.de

Lebensraumverlust und Klimawandel bedrohen Zugvögel

Zu den wichtigsten Bedrohungen für die weltweit mehr als 2.200 Zugvogelarten zählen die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, der Flächenverbrauch durch Siedlungen und der Klimawandel. Um den Rückgang aufzuhalten, müssen bestehende Flächen geschützt, Natur wiederhergestellt und die Landnutzung angepasst werden. Auch direkte Eingriffe in die Vogelbestände setzen den Tieren zu. Illegaler Jagd und Vogelfang fallen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika jährlich bis zu 40 Millionen Vögel zum Opfer. Vergiftungen durch bleihaltige Munitionsreste töten in Europa jährlich rund eine Million Wasservögel. Weitere drei Millionen erleiden dadurch Gesundheitsschäden.


Meeres- und Küstenvögel besonders gefährdet

Besonders stark gefährdet sind Meeres- und Küstenvögel. Jede dritte wandernde Seevogelart ist vom Aussterben bedroht. Plastikabfälle können zur tödlichen Falle werden, wenn Vögel sie mit Nahrung verwechseln. Mehr als eine Million Seevögel sterben zudem als Beifang in Fischernetzen. Auch die zunehmende Überfischung der Meere setzt ihnen zu.


Vogelschutz muss Grenzen überwinden

Der Schutz der Natur ist mit Kosten verbunden. Gleichzeitig hängt das menschliche Wohl unmittelbar von einer intakten Natur ab. Deshalb sind ausreichende finanzielle Mittel für den Naturschutz notwendig.

Zugvogelschutz muss Brutgebiete, Zugwege, Rastplätze und Winterquartiere miteinander verbinden. Wie das gelingen kann, zeigen Projekte des Michael-Otto-Instituts im NABU (MOIN) im schleswig-holsteinischen Bergenhusen.


Aus der Erforschung des hochbedrohten Seeregenpfeifers entstand das „Nationale Artenhilfsprogramm Strandbrüter“. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern und mit staatlicher Förderung sollen Rast- und Mauserplätze im Wattenmeer gezielt geschützt werden. Auch die Überwinterungsgebiete im Senegal sind einbezogen.

Ein weiteres vom MOIN koordiniertes Projekt untersucht den Rückgang der Zwergschwanbestände. Die Art brütet in der Arktis und überwintert zu einem großen Teil in den deutschen Küstenbundesländern.


Unsere Zugvögel schützen

Zugvögel legen jedes Jahr tausende Kilometer zurück. Doch zwischen Brutplatz und Winterquartier lauern viele Gefahren. Helfen Sie unseren Zugvögeln, in ihren Brutgebieten und auf ihrer gefährlichen Reise zu überleben.

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